JOHN KENNETH CLARK -GLASSPAINTER


Auftrags-Künstler für Architektur

Lockerbie-Gedenkfenster — die Flaggen der Nationen der Opfer von Pan Am Flug 103, Lesser Town Hall

Lockerbie-Gedenkfenster

Lesser Town Hall, Lockerbie, Schottland — Installiert im Dezember 1991

Am 21. Dezember 1988 — der Wintersonnenwende, dem kürzesten Tag des Jahres — wurde Pan Am Flug 103 durch eine Bombe über der schottischen Stadt Lockerbie zerstört. 270 Menschen kamen ums Leben: Passagiere, Besatzung und Einwohner Lockerbies am Boden. Die Opfer stammten aus 21 Nationen.

Drei Jahre später wurde dieses Fenster in der Lesser Town Hall installiert — in eben jenem Raum, der in den unmittelbaren Stunden nach der Katastrophe als provisorische Leichenhalle requiriert worden war.

Die Vorgabe entstand aus Gesprächen mit Ortsansässigen darüber, was das Gedenken enthalten sollte. Die bestimmende Anweisung kam vom örtlichen Ratsmitglied David Wilson:

„Die Menschen wollten ein Gedenken, keine Erinnerung an das Geschehen."

Jeder unmittelbare Verweis auf die Ereignisse von 1988 war ausgeschlossen. Keine religiöse Symbolik. Keine Darstellung der Katastrophe. Kein Verweis auf das Flugzeug, die Explosion oder die Todesfälle. Kein Verweis darauf, wie viele Opfer aus welchem Land stammten. Innerhalb dieser Vorgabe — einer der einschränkendsten, mit denen ich je gearbeitet habe — blieb als einziger sicher zu bearbeitender Bereich die Flaggen der Nationen der Getöteten.

„Aufgrund der Art des Themas und des Ereignisses, an das es erinnert, war dies eine sehr schwierige Arbeit."

Alle sechs Felder des Lockerbie-Gedenkfensters, Flaggen von 21 Nationen

Das Fenster zeigt die Nationalflaggen aller bei der Katastrophe Getöteten, verteilt über sechs Felder. Das Andreaskreuz — die Saltire — steht für die Einwohner Lockerbies, die am Boden ihr Leben verloren, sodass die Katastrophe ebenso als lokale wie als internationale Tragödie erinnert wird.

Die Flaggen sind verstreut statt geordnet angeordnet, und diese Zufälligkeit ist beabsichtigt: Wer sich an Bord jenes Fluges befand, war nicht gewählt, und die verstreute, sich überlagernde Anordnung setzt die Zufälligkeit der Verlorenen bildlich um. Keine Flagge ist größer als eine andere. Keine Angabe zur Zahl der Opfer je Nation wird gemacht. Alle Nationen gleich; alle Flaggen von gleicher Größe.

Die Flaggen sind keine flachen heraldischen Symbole. Sie wehen, überlagern sich und winden sich um gemeinsame Fahnenmasten — ausgeführt in bernsteingoldenem Silbergelb —, die sich vertikal durch die Komposition ziehen, vom selben Wind erfasst, untrennbar und doch eigenständig. Der klare Glasgrund ist der Himmel selbst; das Licht, das durch das Fenster fällt, ist die Luft, in der die Flaggen wehen. Es ist ein Gedenken, buchstäblich aus Licht und Luft gemacht — den beiden Eigenschaften, die eine Flagge besitzt und kein anderes Symbol teilt.

Die sechs Felder gliedern sich in zwei Register. Die drei kleineren oberen Felder halten eine formellere Anordnung, die Saltire im Zentrum hervorgehoben. In den drei größeren unteren Feldern lebt die eigentliche Bewegung — Flaggen, die über die vertikalen Teilungen kaskadieren, die Bleistege selbst werden zu einer Art Horizont zwischen Erde und Himmel. Die amerikanische Flagge, die größte einzelne Nationalgruppe unter den Opfern, steht neben der italienischen Trikolore und, still, dem israelischen Davidstern — einundzwanzig Nationen, alle gegenwärtig, keine gezählt.

Das Fenster steht in dem Raum, der in den ersten Stunden nach der Katastrophe als provisorische Leichenhalle diente. Das ist kein Zufall — es ist der bestimmende Kontext für die gesamte Arbeit. Der Raum, der einst die Toten barg, trägt nun ihr Gedenken. Die Flaggen wehen dort, wo einst die Körper lagen. Das Glas verwandelt die Geschichte des Raumes, ohne sie auszulöschen.

Innenraum, Lesser Town Hall, Lockerbie

Das Fenster wurde im Dezember 1991 von der Sunday Times aufgegriffen, in einem Beitrag von Robert Dawson Scott mit dem Titel „Artistic Homage to Jet Tragedy", und in BBC Radio 4s Kaleidoscope vorgestellt. Der Artikel ordnete das Fenster in eine breitere schöpferische Reaktion der schottischen Kunstszene auf die Katastrophe ein — Gedichte, Malerei und Karen Wimhursts Chorwerk „Requiem for Lockerbie", uraufgeführt beim Edinburgh Festival.

„Es ist der umfangreiche Bestand an neuen Werken, der beeindruckt: mehrere längere Gedichte, ein großformatiges Musikwerk, eine bedeutende Gemäldeausstellung und, zuletzt, ein Gedenkfenster aus Glasmalerei, das vergangene Woche in der Lockerbie Town Hall installiert wurde, in eben jenem Raum, der zunächst als provisorische Leichenhalle requiriert wurde."
„Clark betont, dass das Fenster daher keine persönliche Aussage von ihm ist. Er empfindet dennoch, dass die Nationalflaggen der Opfer, zufällig verteilt innerhalb der schmalen Grenzen jedes Fensterrahmens, ein sprechendes Bild der zufälligen Anordnung der Menschen im Flugzeug sind."

Der Artikel vermerkte auch die unheimliche zeitliche Nähe: Die Katastrophe fiel auf die Wintersonnenwende, den Tag, an dem in vorchristlicher Tradition Feuer entzündet wurden, um die Sonne zurückzurufen. Ein Gedicht, in Runenschrift auf einem Stein aus dem 7. Jahrhundert wenige Meilen südlich von Lockerbie eingeritzt, beschreibt ein brennendes Kreuz, das vom Himmel herabsteigt — nicht so verschieden, wie der Artikel bemerkte, von einem brennenden Flugzeug.

The Times, 21. Dezember 1991 — Fotografie des Fensters während der Installation

The Times, Samstag, 21. Dezember 1991 — das Fenster während der Installation

Das königliche Wappen von Schottland und ein bürgerliches Wappen, Lesser Town Hall, Lockerbie

Einige Zeit nach Fertigstellung des Gedenkfensters wurde ich gebeten, zwei weitere Fenster für denselben Raum zu schaffen — ein eigenständiger Auftrag, heraldisch statt gedenkend in seinem Charakter. Das eine ist das königliche Wappen von Schottland mit seinem stützenden Löwen und Einhorn unter der schottischen und der englischen Flagge, mit dem Wahlspruch Nemo me impune lacessit. Das andere ist ein bürgerliches Wappen mit dem Wahlspruch „Forward".

Durchgehend mundgeblasenes Überfangglas. Die heraldische Präzision, die die Flaggen verlangten — die Sterne der amerikanischen Flagge, die nordischen Kreuze, der Davidstern, der Union Jack — erforderte höchste Genauigkeit in traditioneller Glasmalerei, gebrannt bei 600 °C zur Dauerhaftigkeit. Silbergelb wurde für die Gold- und Bernsteintöne der verschiedenen Flaggen eingesetzt sowie für die Fahnenmasten selbst, die dadurch Wärme und physische Präsenz gegenüber der Bewegung um sie herum erhalten. Alle Felder wurden in traditioneller Technik verbleit.

Lockerbie-Gedenkfenster — Lesser Town Hall, Lockerbie, Schottland

Maße — 3 Fenster à 2290 × 815 mm, 3 Fenster à 920 × 815 mm

In Auftrag gegeben von — Lockerbie Town Council

Technik — Mundgeblasenes Überfangglas, Säureätzung, traditionelle Glasmalerei, Silbergelb, Bleiverglasung

Installiert — Dezember 1991

Warum Flaggen, und sonst nichts?

Die Vorgabe schloss fast alles aus — keine religiöse Symbolik, keine Darstellung der Katastrophe, kein Verweis auf das Flugzeug oder die Todesfälle, keine Zählung der Opfer nach Nation. Flaggen waren der einzige Bereich, der sich sicher bearbeiten ließ, und innerhalb dieses schmalen Raums fand ich das eine wahre Bild: Flaggen wehen, sie bewegen sich, sie sind aus Licht und Luft gemacht, und jede Nation ließ sich gleichberechtigt darstellen, ohne dass das Fenster je zeigen musste, was geschah.

Warum sind die Flaggen zufällig statt geordnet angeordnet?

Wer sich an Bord jenes Fluges befand, war nicht gewählt. Die zufällige, sich überlagernde Anordnung der Flaggen ist ein bildliches Abbild dieser Zufälligkeit — der willkürlichen Weise, wie 270 Menschen aus 21 Nationen an einem Ort, in einer Nacht, zusammenkamen. Es ist keine Verzierung. Es ist die Aussage, die das ganze Fenster macht.

Warum ist die Saltire neben den Nationalflaggen enthalten?

Die Katastrophe wird international als Flugzeugunglück erinnert, doch sie war auch eine lokale Tragödie — schottische Menschen starben in jener Nacht auf schottischem Boden. Die Aufnahme der Saltire besteht darauf, dass Lockerbies eigene Tote gemeinsam mit allen anderen in das Gedenken eingeschlossen sind, nicht davon abgesondert.

Welche Bedeutung hat der Standort des Fensters?

Der Raum der Lesser Town Hall, in dem das Fenster steht, war der Raum, der in den Stunden nach der Katastrophe zuerst als provisorische Leichenhalle diente. Das Gedenken nimmt denselben Raum ein, der einst die Toten barg — heute erfüllt von Licht und Farbe, ein Raum, der im Dezember 1988 etwas weit Dunkleres barg.

Kann das Fenster heute noch besichtigt werden?

Aktuelle Zugänglichkeit noch zu bestätigen.